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Insider Venedig: Claudia Schwarze

Claudia Schwarze ist viel rumgekommen. Eigentlich ist sie Deutsche, aufgewachsen ist sie aber in Hong Kong und gelernt hat sie in der Schweiz und in Thailand und war General Managerin in Bali im Aman Hotel. Seit vier Jahren ist sie Chefin im Aman Venice. Was sie an Venedig begeistert, erzählt sie uns im Interview.

 

Wie lange leben Sie schon in Venedig und warum gefällt es Ihnen so gut, wo Sie doch schon fast überall auf der Welt gelebt haben?

Ich lebe jetzt seit drei Jahren in Venedig und bin von dieser Stadt verzaubert. Ich werde oft gefragt, ob ich Asien vermisse und ich kann ganz ehrlich sagen: Nein! Ich liebe Venedig – das Klima, die Architektur und vor allem die Kultur mit ihrem Mix aus Tradition und Moderne. Alles ist einzigartig. Unsere Stadt ist eine der wichtigsten Kulturstädte und die Welt ist bei uns zu Gast. Dazu kommt die fantastische Lage – das Aman Venice befindet sich in San Polo, Venedigs historischstem und ältestem Stadtteil. Wir können von hier in weniger als zwei Stunden Skilaufen oder aber in 15 Minuten am Strand liegen…

Aman Venice

 

Wo gehen Sie am liebsten einen Kaffee trinken?

Zu Rizzardini hier in San Polo. Es ist eine der ältesten Bäckereien von Venedig und befindet sich gleich links, wenn man aus dem Tor vom Aman Venice tritt. Es ist ein ganz kleines Steh-Café, aber stadtbekannt für den besten Kaffee und seine himmlische Patisserie – ich gehe oft mit Freunden und auch dem Conte Arrivabene hin, wenn wir ein bisschen plaudern wollen.

Und wenn es ein Aperitivo sein soll, welches ist ihre Lieblingsbar?

Keine Frage – unsere Bar hier im Palazzo. Wir haben Venedigs größte Gin Tonic-Barkarte.

Wenn ein Freund Sie besuchen kommt, was zeigen Sie ihm?

Die Scula di San Rocca und die Frari Kirche – die legendäre Harry’s Bar für einen Martini, aber auch das Punta della Dogana – eines der schönsten Museen der Welt. Ein „Must“ in Venedig ist es aber auch, entweder ganz früh morgens oder abends durch das Labyrinth der kleinen, malerischen Gassen zu schlendern.

Venedig bei Nacht

Wo gehen Sie mit ihm zum Essen hin?

Zu uns ins Arva mit seiner italienischen Soulfood-Küche und im Sommer in unseren Garten. Der Blick von hier auf den Canal Grande ist unbeschreiblich schön. Eine Alternative könnte die Osteria alla Testiere und Cip’s sein.

Was ist Ihr persönlich am besten gehütetes Venedig – Geheimnis?

Das ist ja eigentlich ein Geheimnis … aber Ihnen verrate ich es: die Gegend rund um San Polo ist einfach Venedig pur. Es gibt hier so unendlich viel zu entdecken und das ohne Touristen…

Was kann in Venedig nur ein Einheimischer wissen?

Dass Venedig im Winter den Venezianern gehört und auch alle Venezianer sehr gerne in diesen Monaten in ihrer Stadt verweilen … mit vielen Einladungen zu Insider-Dinner-Partys…

Was ist das Außergewöhnlichste, was Sie je in Venedig gemacht haben und warum?

Der Besuch der Monumentalausstellung „Treasures from the Wreck of the Unbelievable“ von Damien Hirst im vergangenen Jahr. Es war im wahrsten Sinne des Wortes Unbelievable. Zudem hatten wir in unserem Palazzo einen Francesco Guardi im Arva ausgestellt, der seit 250 Jahren nicht mehr in Venedig gezeigt wurde. Das Gemälde wurde später für rund 30 Millionen Euro in London versteigert.

Was sollte ein Tourist unbedingt tun?

Man sollte eine Führung mit einem kundigen Guide machen, nur so kann man die unzähligen Feinheiten der Stadt kennenlernen. Und noch bevor man die Reise nach Venedig antritt, empfehle ich die Dokumentation Francescos‘ Venice auf BBC YouTube anzusehen. Man erhält dadurch ein viel besseres Verständnis für diese unglaublich schöne Stadt.

 

Was sollten Touristen unbedingt vermeiden?

Die Tauben zu füttern. Das ist mit gutem Grund auf dem Markusplatz tagsüber in der Hochsaison verboten. Den Platz sollte man entweder früh morgens oder nach 20 Uhr abends besuchen – dann ist die Stimmung am schönsten.

Welche lokale Bräuche oder Traditionen sollten Besucher beachten?

Den Respekt vor unserer Stadt, sie so zu belassen und verlassen, wie sie war und ist.

Wo würden Sie hingehen, um die lokale Kultur- und Kunstszene kennenzulernen?

Ich ziehe mir einfach bequeme Schuhe an und lasse mich treiben. Was die Kunstszene betrifft können wir hier in Venedig aus dem Vollen schöpfen. Dabei kommt es auf den individuellen Geschmack an – die Bandbreite ist in Venedig unerschöpflich.

Wo gehen Sie hin, wenn Sie dem Trubel entfliehen möchten?

Zum Strand am Lido und hier bei uns im Aman Venice ist unser Garten ein ganz besonderer Platz. Nicht nur allein wegen der Tatsache, dass nur sehr wenige Palazzi über einen Privatgarten verfügen. Unser Garten liegt direkt am Canal Grande und bietet unseren Gästen einen exklusiven Logenplatz unter freiem Himmel.

Der Lido von Venedig

 

Wann ist ihrer Meinung nach die beste Reisezeit?

Die Serenissima verströmt zu jeder Jahreszeit ihren ganz besonderen Charme. Ich persönlich liebe den Frühling, wenn die Natur erwacht und in allen Farben leuchtet.

Wenn Sie verreisen, auf was freuen Sie sich am meisten, wenn Sie zurückkommen?

Auf das weiche Licht und die viel beschriebene Schönheit unserer Stadt… aber natürlich auch auf unser gutes Essen zu Hause im Aman Venice.

Saskia Engelhardt

Saskia Engelhardt hat zehn Jahre für die Reise- und Beilagenredaktion der "Süddeutschen Zeitung" gearbeitet. Zu ihren Spezialgebieten zählen Genuss- und Outdoor-Themen sowie Italien. Heute lebt sie mit ihrem Mann und drei Kindern am Gardasee.

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